Diabetes mellitus – oder warum Horst nicht schlank werden darf Teil2

Bei Horst und Gudrun hing der Haussegen schief. Gudrun behauptete seit Jahren auf ihn eingeredet zu haben, sein Leben umzustellen. Aber der Herr könne ja alles besser, nur im Schlafzimmer konnte er eigentlich garnichts mehr, ausser schnarchen und immer mehr Platz einzunehmen. Na, vielleicht würde ja alles besser , Horst hatte nämlich seinen Termin in einer „Zuckerpraxis“. Spätestens in einem Jahr würde alles wieder so sein wie früher,oder? Begleiten wir Horst also und schauen wie es ihm so erging.

“ Diabetologische Schwerpunktpraxis Dr. Zuckerfrei“ stand auf dem Schild. Nun, hier war er richtig. Diabetologen sind nämlich Mediziner, die sich besonders gut in der Behandlung Zuckerkranker auskennen.Sie kennen die neuesten Medikamente, sind gut geschult und fortgebildet . Hierin unterscheiden sie sich von einem biederen  Hausarzt in – rein gar nichts. Aber es ist ihnen gelungen mit viel Getöse aus einem einfachen Diabetes ein höchst profitables Geschäft zu machen.  Sonderverträge mit den Krankenkassen und einen guten Kontakt zur Pharmaindustrie – Zucker ist eben ein tolles Geschäft und damit alles einen besonderen wissenschaftlichen Anstrich bekommt, wird zertifiziert und dokumentiert und natürlich kontrolliert.

In diese Organisation wurde unser Horst nun aufgenommen. Bevor jedoch irgendjemand mit ihm sprach, musste er diversen Verträgen beitreten , sog. Krankenprogrammen ( DMP = Desease Managment Program) . Ohne ein solches Programm geht garnichts, denn genau diese Verträge machen Horst zu einem höchst profitablen Süssen , den es gilt , möglichst lange in seinen Fängen zu behalten, wir kommen später darauf zurück. Nachdem Horst sicher war, mit seinen Unterschriften auch keine Waschmaschine gekauft zu haben konnte es also losgehen. Er war endlich im Programm , nur den Diabetologen hatte er noch nicht gesehen, der war auf einer Fortbildung, aber dafür wurde viel Blut abgezapft, er bekam viele bunte Prospekte und einen Termin in 3 Wochen .Ach ja, nüchtern bitte. Horsts ohnehin schon dicker Hals wurde noch dicker. Na, die drei Wochen kriegen wir auch noch rum.

Dann endlich der Termin bei Dr. Zuckerfrei. Der war annährend genau so umfangreich wie Horst aber das konnte nur gut sein, vieleicht versteht er mich dann besser, dachte unser Süsser. In den nächsten 4 Minuten erfuhr Horst  waum er so aus dem Leim gegangen war und was ihm in der Zukunft so alles drohte. Aber Dr. Zuckerfrei meinte, “ dass kriegen wir schon wieder hin“. Oh prima, der Dr. wollte auch an dem Programm teilnehmen , oder hatte Horst da was falsch verstanden?Nun am Ende des Gespräches bekam Horst ein paar Tabletten und Termine zur Zuckerschulung, am besten mit Gudrun zusammen , denn die hat ja den Kochlöffel in der Hand.

Am nächsten Montag hatten Horst und Gudrun dann ihren ersten Schulungstermin. Zusammen mit acht weiteren Leidensgenossen wurden sie von einer netten jungen Dame in die Geheimnisse des gesunden Essens eingeweiht. Mal hielt sie eine Gurke in die Höhe, dann  zeigte sie auf eine Schale mit Erdbeeren um schliesslich eine Colaflasche mit angewidertem Gesicht in den Ausguss zu kippen. Alles verstanden, gut, dann bis nächsten Montag.  Horst ging mit dem guten Gefühl nach Hause, bald ein neuer Mensch zu sein, schliesslich war er jetzt im Programm von Dr. Zuckerfrei und der würde ihn bestimmt nicht mehr loslassen.

Ein Jahr später sah ich Horst wieder. Er strahlte über alle Backen und verkündete mir stolz,dass sein Zucker wieder fast normal sei. Dank der Pillen und der guten Beratung von Dr. Zuckerfrei fühle er sich viel besser. Nun, ich konnte mir den Blick auf die immer noch mächtige Kugel über seinem Hosenbund nicht verkneifen und fragte ob sich denn sonst etwas verändert habe. Auch sein Cholesterin sei viel besser und der Blutdruck auch, na ja ein bisschen. Und das Gewicht? Diese Frage hätte ich nicht stellen sollen, und die nach körperlicher Bewegung auch nicht, denn Horst wurde augenblicklich ein wenig wütend. “ Das kommt schon noch“ rief er, schliesslich sei er ja in einem Spezialprogramm und neuerdings auch in einer Studie einer Pharmafirma. Ach so, na dann kann ja nichts mehr schiefgehen, oder.

Ich verlor Horst dann aus den Augen, bis ich ihn zufällig auf der Strasse traf. Die Figur war unverändert, allerdings zog er ein Bein leicht nach. Ich lud ihn auf einen Kaffee ein und er erzählte mir seinen Leidensweg in den letzten Jahren.

Doch davon mehr im nächsten Beitrag.

Bis dann Euer Dr. Anti-Age

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